Januar 2026
Ihr Lieben,
es war ein wundervoller Gottesdienst am Sonntag, den 18.01.2026 mit vielen berührenden Momenten. Eucharistie feiern heißt den Dank feiern. Natürlich ist der Dank an Jesus Christus gemeint, der uns im Sakrament begegnet. Für mich war es aber auch eine Dankesfeier für die Begegnung mit den vielen Menschen, die mein Leben in St. Barbara glücklich gemacht haben, nicht zuletzt durch unser gemeinsames Schaffen am Musical zu Ehren des Seligen Nikolaus Groß. Sehr gefreut habe ich mich, dass unser Team mit der Nikolaus Groß – Medaille ausgezeichnet wurde. Ihr habt sie alle wirklich verdient. Sie wird demnächst zusammen mit der Urkunde auf einer Glastafel in der Friedenskaplle etabliert werden auch als Erinnerung an eine großartige Zeit pastoralen Gemeindelebens. Dazu wird es dann noch eine Info zu dem Nikolaus Groß – Gewand geben.
Unser Teamzeichen ist die goldene Rose. Sie erinnert ja an die über tausend Jahre alte päpstliche Tradition, verdiente Leute auszuzeichnen. Jeder von euch hat ob seines ehrenamtlichen Engagements diese Auszeichnung verdient und darf dieses unser Abzeichen voller Stolz tragen. Dass ich nun noch oben drauf eine echte vergoldete Rose geschenkt bekommen habe, hat mich vom Hocker gerissen. Ich kann nur „Danke“ sagen.
Im folgenden könnt ihr den Text nachlesen, den der Stadtdechant quasi als Laudatio zitiert hat, den Presseartikel von Dr. Thomas Emons.
Euer Manfred
Auszeichnung
Widerstandskämpfer Nikolaus Groß:
150 Musical-Darsteller erhalten besondere Ehrung
Mülheim. 80 Jahre nach dem Tod von Nikolaus Groß erhält das Dümptener Musical-Ensemble eine hohe Auszeichnung.
Von Mülheim aus begeistert es das Publikum.
Von Thomas Emons, WAZ 19.01.2026
In einem Festgottesdienst, gehalten von Stadtdechant Michael Janßen, wurde in der St. Barbara-Kirche in Mülheim-Dümpten
die Nikolaus-Groß-Medaille an die Darsteller des Musicals verliehen. Stellvertretend nahmen die jüngsten Musical-Darsteller,
Greta Kempmann und Fynn Mackscheidt, den Ehrenpreis der katholischen Stadtkirche entgegen. Das Musical wurde von Ehrenstadtdechanten
Manfred von Schwartzenberg (2.v.l.) geschrieben und vom Kirchenmusiker Burkard Maria Kölsch (l.) komponiert.
© FUNKE Foto Services | Gerd Wallhorn
In seiner Laudatio würdigte Stadtdechant Michael Janßen das vom Ehrenstadtdechanten Manfred von Schwartzenberg geschriebene und vom Kirchenmusiker Burkard Maria Kölsch komponierte Musical, „als ein Werk, das nicht nur ein Musiktheaterstück, sondern eine moderne Form der christlichen Andacht darstellt.“ Er erinnerte daran, dass das 1998 uraufgeführte Nikolaus-Groß-Musical nicht nur in Mülheim, sondern auch in Essen und Berlin, unter anderem beim Ökumenischen Kirchentag 2003, insgesamt 74-mal aufgeführt worden sei und insgesamt rund 25.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, darunter auch die Kinder und andere Familienangehörige von Nikolaus Groß, begeistert habe.
Mit Blick auf die jüngsten Darsteller des Nikolaus-Groß-Musicals und mit Blick auf seine Gemeindemitglieder sagte der sichtlich berührte Manfred von Schwartzenberg: „Ich bin euch dankbarer, als ich es sagen kann. Und deshalb bete ich dafür, dass auch ihr ein so schönes Leben auf Basis der Werte habt, für die Nikolaus Groß gelebt, gekämpft und gelitten hat und für die er gestorben ist.“
Seit 1998 ist ein Weg in Dümpten nach dem 100 Jahre zuvor im Ruhrgebiet geborenen Nikolaus Groß benannt, der 2001 vom damaligen Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurde. Der Mülheimer Geschichtsverein schreibt dazu: „Nikolaus Groß arbeitete als junger Mann in einem Blechwalzwerk und im Bergbau. Später war er als Gewerkschaftssekretär und als Journalist der Westdeutschen Arbeiterzeitung tätig. Durch seine geradlinige christliche Haltung in der Nazizeit kam er in Kreise des Widerstandes. Im Jahre 1945 wurde Nikolaus Groß nach KZ-Inhaftierung hingerichtet.“
Infos zu unserem Musical Nikolaus Groß
z. Hd. Michael Janßen
Im März 1997 besuchten einige Mitarbeiter unserer Gemeinde einen Vortrag in Oberhausen, wo Bernhard Groß über das Leben seines Vaters berichtete.
Davon tief beeindruckt, hörte ich kurz darauf die Bitte unseres Bischofs Hubert Luthe, dass sich die Gemeinden unseres Bistums dem Gedenken dieses Mannes widmen sollten, und schlug daraufhin vor, in der Gemeinde ein größeres Projekt anzugehen insbesondere für die bevorstehende Firmung.
Nach vielen Vorüberlegungen beschlossen wir dann gemeinsam, dass es ein Musical werden sollte. Den Text zu schreiben half mir eine Broschüre von Dr. Jürgen Aretz, der die Briefe aus dem Gefängnis veröffentlich hatte und ein enger Kontakt mit Bernhard Groß. Die Musik dazu wurde vom Kirchenmusiker der Gemeinde geliefert. Da nur wenige der Mitwirkenden von auswärts kamen, kann man sogar von einem „Gemeindemusical“ sprechen. Das Projekt wurde dann in der Folgezeit intensiv von Bernhard Groß begleitet und von Bischof Hubert Luthe, Weihbischof Franz Grave und der RAG unterstützt.
Das Musical hatte ich bewusst modular konzipiert, damit möglichst viele Gruppen sich beteiligen konnten.
So ergab sich folgende Rollenstruktur:
Volk Kirchenchor, Cantamus-Chor
Bergleute Männerchor
KAB KAB, Ehrengarde, Kolping
Tänzerinnen DJK, Tura
HJ DPSG
BDM Jugendchor
Kinder Kinderchor
Dazu die Darstellerinnen und Darsteller mit Gesang
in allen Rollen doppelt besetzt:
Nikolaus Groß, Elisabeth Groß, 7 Kinder, Bernhard Letterhaus, Prälat Otto Müller,
Hl. Barbara, Gestapoagent, Gefängniswärter, Freisler
Dazu die Darstellerinnen und Darsteller ohne Gesang
in allen Rollen doppelt besetzt:
Priester, Messdiener, Steiger, Gewerkschafter, Knappenvereins-Vorsitzender, Kommunist, SA-Mann, SS-Mann, Polizeibeamter, Dr. Hirtsiefer, Beamter Gestapoleitstelle, Dr. Schulte, Kriminalrat Lange, Pfarrer Buchholz, evangelische Frau, Nuntius, Postbote
Dazu das Orchester, ebenfalls aus der Gemeinde, zeit- und teilweise durch Honorarmusiker ergänzt.
Dazu das Backstageteam für Bühne, Kulisse, Licht, Ton, Kostüme, Maske, Logistik, Koordination und Regie. Nicht zu vergessen: Kinderbetreuung, Pausenimbiss (KFD)
Die weit über hundert Beteiligten probten nun als Schauspieler, Sänger, Statisten, Techniker, Musiker, Bühnen-, Kostüm- und Maskenbildner etc. fast ein ganzes Jahr lang, bis es dann im September des Jahres 1998 zum 100. Geburtstag zur Uraufführung kam. Eigentlich wollten wir es nur zwei Mal spielen. Aber es kam zu einer immer stärker werdenden Nachfrage. Uns war klar, das lag nicht an unserem laienhaften Talent. Das war die Botschaft von Nikolaus Groß und das Schicksal seiner Familie.
Bis zum Ende des Jahres 1999 spielten wir 17 mal in unserem Pfarrsaal und vier mal in der Aula der BMV-Schule in Essen vor einem immer vollen Haus. Als es dann im Oktober 2001 zur Seligsprechung kam, wurden wir von unserem Bischof eingeladen, die Gebetsnovene des Bistums mit einer Aufführung in der Essener Grugahalle abzuschließen. 5000 Menschen kamen am 30. September 2001, dem 103. Geburtstag von Nikolaus Groß, eine Woche vor seiner Seligsprechung, in die Grugahalle.
Im Januar 2002 gab es dann in Zusammenarbeit mit der KAB Berlin zwei weitere Aufführungen in Berlin-Plötzensee in der Kirche Maria Regina Martyrum nahe seiner Hinrichtungsstätte im Gedenken an seinen Todestag, dem 23. Januar 2002. Im November spielten wir dann zwei Mal in der kurz zuvor profanisierten Marienkirche in der Stadtmitte von Bochum.
Einer unserer Gäste in Berlin war damals der Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky, der uns daraufhin zum ökumenischen Kirchentag 2003 nach Berlin einlud. So spielten wir im Mai 2003, wiederum liebevoll aufgenommen von den dort ansässigen Karmelitinnen, noch vier Mal unser Musical in der Kirche Maria Regina Martyrum.
War jede Musicalaufführung in sich schon eine organisatorische, technische Meisterleistung, so erforderten die auswärtigen Aufführungen noch einmal mehr immense logistische Anstrengungen. An die 150 Mitwirkenden mussten bewegt und untergebracht werden. Kirchenräume, Spielstätten Bühnenpodeste, Technik und Orchesterloge mussten präpariert werden. Der Einsatz und das Knowhow des Backstageteams waren wirklich jedesmal großartig.
Die weiteren Aufführungen waren haupsächlich in unserer Heimatgemeinde St. Barbara in Mülheim, in einer Inszenierung für die Kirche, die zu diesem Zweck dauerhaft technisch ausgebaut wurde und wo es dann erstmals in die dritte Dimension ging, da die Orgelempore als Oberbühne durch zwei Treppen mit der Hauptbühne verbunden wurde.
Inzwischen hatte das Musical einen Kultstatus erreicht. Für die Mitwirkenden und wohl auch die meisten Zuschauer war es weniger Theater als vielmehr eine Andacht mit modernen Mitteln. Es war auch klar, dass der Tabernakel mit dem Sakrament in der Kirche verblieb, hat doch Nikolaus Groß seine ganze Kraft aus dem Glauben und der Eucharistie bezogen. Etliche Zuschauer haben das Musical mehrfach gesehen. Zuschauer kamen (busweise) aus ganz NRW und oft noch von weiter her angereist.
Im Januar 2016 gab es die 70. Aufführung. Nach einer Pause wurde es im Januar 2024 und im Januar 2025 nochmals aufgeführt anlässlich des 80. Jahrestages seines Todes.
Insgesamt waren es 74 Aufführungen. Über 25.000 Zuschauer dürften es gesehen haben.
Bernhard Groß und Bischof Luthe haben häufiger gesagt, Nichts habe so sehr zum Bekanntwerden des ersten Seligen des Bistums beigetragen wie dieses Musical.
Ein Viertel Jahrhundert ist schon eine lange Zeit. Etliche Mitwirkende sind verstorben oder können altersbedingt nicht mehr spielen, andere sind noch vom ersten Tag an dabei. Das Team hat sich immer wieder regeneriert. Die Kinder sind teilweise in die Erwachsenenrollen hineingewachsen, die Kinderrollen mussten immer wieder neu nachbesetzt werden.
Die Frau Groß ist viele Jahre von Verena Rützel und Dorothee Schäfer gespielt worden. Jetzt zuletzt von Hanna Schuhmacher und Marie Zipp-Timmer. Nikolaus Groß ist durchgehend von Tim Timmer gespielt worden, zur Premiere mit 17 Jahren, jetzt zum Schluss mit 44 Jahren, in den Anfängen auch von Klaus Prothmann und danach von Jürgen Wrobbel.
Besonderes:
In dem Musicallied „Klaus, mein Sohn“ ist die Trauer und Sehnsucht der Mutter nach ihrem vermissten ältesten Sohn verarbeitet, der an der Ostfront eingesetzt war und nach Kriegsende nicht heimkehrte und tot geglaubt wurde. Dann kehrte er aber plötzlich aus russischer Gefangenschaft (1948) doch zurück zu seiner Familie. Er war auch Gast unserer Premiere. Als sein Lied kam, musste er weinen. Diese Situation hatte mich damals am meisten berührt.
Familienmitglieder von Nikolaus Groß waren mehrfach bei uns zu Gast. Bernhard Groß war bis zu seinem Tode (2019) in jeder Vorstellung.
Bischof Luthe war sehr gespannt auf das Musical und wollte vorab das Libretto lesen. Die Szene, in der eine evangelische Frau nach einem Bombenangriff die Gottesmutter auch als eine Mutter der evangelischen Christen erwähnt, kam ihm nicht geheuer vor. Dennoch musste die Szene so verbleiben, denn sie war absolut authentisch, wie uns Bernhard Groß von seiner Mutter erzählte.
im Januar 2026
Manfred v. Schwartzenberg